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Anleitung wie man eine leicht angerostete Stelle am Unterboden nacharbeiten kann

Praxisbeispiel
Häufig ist ein Fahrzeugunterboden größtenteils in Ordnung und benötigt nur hier und da etwas Nacharbeit. Im gezeigten Beispiel sieht man an ein paar Stellen bereits ausgebesserte Rostschäden, an denen die ergriffenen Maßnahmen nicht sonderlich erfolgreich waren. Schön zu sehen die beiden Stellen einmal in Bildmitte und einmal rechts am Bildrand an denen Unterbodenschutz abgeplatzt ist wegen einer deutlichen Unterrostung.

Es gibt aber auch schon Unterrostung an der bogenförmigen hinteren Blechkante, hier drückt der Rost die Beschichtung hoch, es gibt kleine Rostpickel aus deren Mittelpunkt ähnlich wie bei einem Vulkankrater rostige „Brühe“ austritt und Verfärbungen auf dem Unterbodenschutz hinterlässt. Oft verraten gerade diese Rostpickel eine vergebliche vorangegangene Rostreparatur, da hier Rost unter der Beschichtung entstanden ist, aber noch keine Durchrostung vorhanden ist. Am unteren Rand im Bild sieht man ebenfalls kleine Rostpünktchen, allerdings sitzt der Rost hier in Mulden. Das heißt die Beschichtung wurde beschädigt, oder wie in diesem Fall einfach punktuell zu dünn aufgetragen, sodass Wasser durch die fast nicht vorhandene Schutzschicht hindurch wandern konnte. Roststellen dieser Art sind zwar auch nicht schön aber eher harmlos da in der Regel keine oder kaum Unterwanderung der angrenzenden Partien stattgefunden hat.

Wegen der Unterrostung haben wir uns entschieden den alten Schutzanstrich stellenweise zu beseitigen. Sehr schön geht das mit einer Vlies-Schleifscheibe, hier die SVS-Scheibe von Rhodius, auf dem Winkelschleifer. Die SVS- Scheibe hat den Vorteil Unterbodenschutz, Lack, Grundierung, Spachtelmasse und Rost sehr schön abzutragen, aber das gesunde Metall nicht anzugreifen. Deshalb bietet sich eine solche Scheibe hervorragend für diese Arbeit an. Der Nachteil ist allerdings, dass die Standzeit also die Haltbarkeit der Scheiben nicht so hoch ist wie bei einer Drahtbürste oder einer normalen Schleifscheibe.

Eine normale Schleifscheibe (Fächerschleifscheibe oder Schruppscheibe) trägt leider auch relativ viel vom gesunden Metall ab und verringert die Blechstärke unnötig.


Die allgemein gern zur Entrostung eingesetzte Drahtbürste erzeugt leicht zu viel Hitze und verschmilzt den Rost zu einer silbrig-schwarzen, vermeintlich rostfreien glatten Oberfläche mit geschlossenen Poren. Hier ist es dann sehr schwer einen Rostumwandler wirksam einzusetzen.

Nach dem Schleifen mit der SVS-Scheibe erhält man im Wesentlichen ein rostfreies Metall, genau betrachtet sitzt aber tief in den Blechporen noch ein Hauch von Restrost. Hier muss unbedingt noch ein Roststopper oder Rostumwandler eingesetzt werden, da entgegen der oft geäußerten Meinung der Rost trotz Luft- und Wasserabschluss mit einer darauf aufgetragenen Rostschutzgrundierung weiterarbeitet. In der Praxis hat sich gezeigt, dass entgegen aller Theorien der Rost immer genug Feuchtigkeit und Sauerstoff speichern kann um unter einer Lackierung oder sonstigen Beschichtung weiter zu arbeiten. Das Ergebnis ist dann nach ca. 1-3 Jahren genau der Grund, weshalb die hier gezeigte Arbeit ausgeführt werden muss.


Der wichtigste Schritt nach der mechanischen Entrostung ist die gründliche Entfettung, z.B. mit Silikonentferner, damit ein Rostumwandler sicher wirken kann, aber auch um der nachfolgenden Grundierung einen sicheren Haftgrund zu geben. Gerade bei der Beseitigung von Unterbodenschutz ist dies wichtig, nicht nur weil schon mal Öl und Fett darauf gekommen sein könnte, sondern auch weil Unterbodenschutz beim Entfernen hinderliche Stoffe ausschwitzen kann.



Erst jetzt kann der Roststopper aufgetragen werden. Wir verwenden hier Kovermi weil er schnell und einfach anzuwenden ist und sowohl auf Rost als auch auf blankem Blech einsetzbar ist. Dieser wird gleichmäßig und dünn auf das blanke Blech aufgepinselt. Sowohl auf die leicht angerosteten als auch die rostfreien Bereiche. Die milchige Flüssigkeit reagiert sehr schnell was man an der Färbung erkennen kann. Frisch aufgetragen ist Kovermi nass, milchig und leicht bläulich. Die Reaktion ist nach ca. 1-3 Stunden abgeschlossen, wenn die Oberfläche trocken und fast schwarz ist. Dabei ist aus dem Rost ein Eisen-Tanin-Komplex entstanden der nicht weiterrosten kann, auch auf den vorher blanken Stellen bildet sich ein Komplex der eine gewisse kurzzeitige Rostschutzwirkung hat. Alterntiv kann man hier auch Fertan verwenden muss aber mit einer längeren Einwirkzeit rechnen und darf das Abwaschen nicht vergessen. Andere Produkte sind wegen des wenigen Rostes eher nicht geeignet.

Da der Rostschutz ohne weitere Behandlung aber nur ein paar Wochen oder maximal ein paar Monate anhalten kann muss eine weitere Beschichtung erfolgen. In unserem Fall soll wieder ein schwarzer Steinschlagschutz aufgetragen werden. Zunächst bringt man auf den ausreagierten und trockenen Rostkonverter eine Grundierung oder einen Grundierfüller auf (als Haftvermittler und Basisrostschutz). An kleineren Stellen kann man auch gut ein Produkt aus der Spraydose nehmen, muss dann aber 5-6 Schichten Grundierung auftragen um eine ausreichend dicke Schutzschicht zu erzielen. Der in unserem Fall verwendete Spritzfüller trägt etwas satter auf und kann dadurch die kleinen ehemaligen Rostkrater füllen und ausgleichen. Für größere Bereiche sollte man anstelle der Spraydosengrundierung eine gute Rostschutzgrundierung wie Brantho Korrux nitrofest auftragen, da im gezeigten Fall der Rostschutz erst mit der nächsten geschlossenporigen und somit wasserdichten Beschichtung perfekt wird. Das kann dann ein Chassislack oder ein Unterboden- bzw. Steinschlagschutz sein. Zum Zeitpunkt der Fotoaufnahmen gab es noch kein Brantho Korrux nitrofest in der Komfortdose - das wäre hier als Rostschutz- Grundierung aus der Spraydose ideal gewesen.

Wir haben aufgrund der geringen Fläche Over 4SP (heute: „Fertan Steinschlagschutz“)aus der Spraydose als Unterbodenschutz in 4-5 Schichten aufgesprüht. Damit ist die Ausbesserungsarbeit abgeschlossen. Alternativ kann man sehr gut auch „Dinitrol schwarz“ verwenden.

Zusätzlich wurde der restliche Unterboden noch komplett mit Owatrol Öl eingesprüht um auch die alte Beschichtung aufzufrischen und witterungsfest zu versiegeln. Daher rührt der etwas ungewöhnliche Glanz auf der restlichen Unterbodenfläche. Alternativ eignet sich hierzu auch Oxyblock.