Erläuterung zu verschiedenen Roststadien und warum ein Rostumwandler manchmal gar nicht helfen kann
Rostgrade
Noch harmlos (ksd® Rostgrad 1):
➢ Flugrostansatz, links im Bild
➢ bis gute Anrostung, am rechten Bildrand
Entstanden ein paar Wochen nach Schleifarbeiten an einem neu eingeschweißten Blech.
Charakteristisch: Der Rost sitzt nur fest auf der Oberfläche, hat sich aber nicht in das Blech hineingefressen, es gibt keine Rostporen und keinen Blattrost. Leichtes abschleifen oder abbürsten hilft. Auch ideal für den Einsatz eines Rostumwandlers (bzw. Rostkonverters) wie Fertan oder Kovermi. Brunox Epoxy ist hier wie Roststopper Owatrol Öl oder Oxyblock nur dann geeignet wenn der Rost die komplette Fläche befallen hat.
Nicht zu unterschätzen
(ksd®-Rostgrad 2-3):
➢ roter Kreis: sieht nach oberflächlichem Rost aus (Grad2)
➢ grüner Kreis: das grobe Abbürsten zeigt aber doch tiefen Porenrost (Grad 3). Entstanden in zwei Jahrzehnten unter einer Kofferraummatte.
Charakteristisch: Rost sitzt trotz des harmlosen Aussehens tief im Blech. Ein Roststopper wäre absolut überfordert, der tiefe Porenrost würde in 2-3 Jahren wieder hochdrücken. Hier kann man gut mit einem Roststopper wie Oxyblock arbeiten oder komplett entrosten (Sandstrahlen, Pelox RE, Deox Gel).
Bei vollflächig Rostgrad 2-3 geht auch Owatrol Öl.
Schon sehr stark
(ksd®-Rostgrad 3-4):
➢ Schuppiger Blattrost und tiefe Poren (lose obere Schichten sind hier schon abgeschabt).
Charakteristisch: Der Rost drückt die Lackierung an den Rändern schon hoch. Er ist blätterteigartig und lässt sichmit einem Schraubenzieher in einzelnen Schuppen abstoßen. Noch zu reparieren, allerdings nur mit deutlichem Aufwand, da teilweise kleinere Durchrostungen vorhanden sein können.
Nicht mehr viel zu retten
(ksd®-Rostgrad 4):
➢ Das obere von zwei Blechen ist teilweise schon komplett weggerostet und vom Rost des unteren Blechs schon aufgewölbt bzw. hochgebogen. Das untere Blech ist ebenfalls schon sehr stark angegriffen. Beides ist bei genauer Untersuchung großflächig durchgerostet.
Charakteristisch: Auch in noch nicht so schlimmen Fällen, lässt aufgequollenes Blech nichts Gutes ahnen, das (nachdrückliche) Stochern mit einem Schraubendreher fördert meist Rostlöcher zu tage.
Hier hilft nur noch großzügiger Ersatz durch neu eingeschweißtes Ersatzblech.
Rost am hinteren Querholm:Sieht auf den ersten Blick nicht sehr schlimm aus. Zu vermuten sind weitere Unterrostungen unter dem Unterbodenschutz ausgehend von den sichtbaren Roststellen.
Die beiden Bereiche in den roten Kreisen könnten etwas stärkeren Blattrost haben. Der Bereich im grünen Kreis wirkt nicht so stark angegriffen wie die Flächen in den roten Kreisen.

Das Ganze in der Hoffnung danach mit einem Rostumwandler (Fertan oder Kovermi) die korrodierten Stellen unschädlich zu machen, um dann zügig neu grundieren und lackieren zu können.
Aber der Teufel steckt gelegentlich im Detail…

… und es wird ein Rostloch sichtbar.
Aber die eigentliche Überraschung ist die, dass die Durchrostung im grünen Kreis ist, also der Stelle die wir ursprünglich für besser gehalten haben als die in den roten Kreisen!
Und: es ist keine Durchrostung aus dem Hohlraum heraus, was häufig der Fall ist. Diese Möglichkeit hatten wir im Vorfeld schon mit einer Hohlraumkamera ausgeschlossen.
Während rechts und links ein Rostumwandler (Fertan oder Kovermi) eingesetzt werden kann, muss in der Mitte ein Stück Blech neu eingesetzt werden.
Ebenfalls deutlich sichtbar ist jetzt auch wie weit der Rost schon unsichtbar unter dem Steinschlagschutz vorangeschritten war.
An solchen Beispielen lernt man wie wichtig eine gründliche Vorreinigung bzw. Grobentrostung ist.
Rost an einer Radlaufkante:
Auch eine ganz typische Erscheinung. Diese blumenkohlartige Aufwerfung vom Lack entsteht meistens an Karosseriekanten, hier hat die Korrosion den Lack weitflächig unterwandert. Oft sind solche Roststellen auch schon mal mit mehr oder weniger Erfolg behandelt worden. (Schlecht reparierte Roststellen sehen ca. nach 1-3 Jahren so aus wie hier, aber auch das scheuern von Radhausschalen oder Zierleisten bringen solche Roststellen hervor)
An der Kante bricht der Rost schon leicht durch die Oberfläche, ansonsten ist der Lack noch geschlossen.
Gerade wenn hier schon mal repariert wurde und ein neuer Lack aufgetragen ist, dann sitzt der Rost sehr tief im Blech, wie wir gleich noch sehen werden.

Mit einem Schraubendreher lässt sich der unterrostete Lack und bröseliger Blattrost relativ leicht entfernen. Im Moment sieht das noch nach einer angerosteten Oberfläche aus, ähnlich wie Rostgrad 3.
Genauer betrachtet fallen aber die sehr narbige Oberfläche und die verdächtig dunklen, fast schon schwarzen Flecken auf, die auf starke Verrostung hindeuten.
Um es vorweg zu nehmen: ein Rostumwandler oder Roststopper hätte hier keine Chance. Der Rost würde nur oberflächlich umgewandelt, bzw. gestoppt werden, und der Rost bricht nach einiger Zeit wieder durch.
Einzig ein Rostentferner, wie Pelox RE oder Deox Gel, kann hier noch zum Erfolg führen.
Wir haben uns hier für das Sandstrahlen mit Glasgranulat entschieden, weil hierbei die Oberfläche vom gesunden Metall am wenigsten verändert wird. Dadurch können wir speziell für diese Fotoreihe sehr gut zeigen wie stark die Korrosion vorangeschritten war. Normalerweise ist es auch möglich mit einer CSD- , bzw. SVS-Scheibe weitestgehend zu entrosten um danach einen Rostentferner (Pelox RE oder Deox Gel) einzusetzen.
Sehr deutlich erkennt man die extrem tiefen Poren im Blech. In einem Bereich sind sogar schon 2 winzige Durchrostungen vorhanden, speziell die Kante ist auch schon stark angenagt, hier ist es teilweise schon kurz vorm „Durchbruch“ wie die dunklen Punkte zeigen. Aufgrund der kleinen Durchrostung muss man in solchen Fällen auch mit Rostansatz auf der Rückseite rechnen!
Fallbeispiel 3
Rost am Bodenblech im Fahrzeuginnenraum:
Die weitest mögliche Entrostung mit einer SVS-Scheibe auf dem Winkelschleifer zeigt deutliche Einrostungen (Porenrost) in das Blech, teilweise bis zu 0.5 mm tief (in einem 0.8er Blech!). Wir hatten es hier mit einem ksd-Rostgrad 2-3 zu tun, bei dem ein Rostumwandler (Fertan oder Kovermi) ohne mechanische Vorarbeit aufgrund der Stärke und Tiefe des Rosts bereits überfordert wäre.
Im linken Bereich des Bildes ist der Rost bereits gut mit der SVS-Scheibe entfernt worden. Hier kann jetzt zuverlässig mit einem Rostumwandler (z.B. Fertan oder Kovermi) gearbeitet werden. In der rechten Bildhälfte muss noch weiter geschliffen werden, da hier noch deutlich Rost zu sehen ist, der vermutlich ebenfalls tief in den Poren steckt.
Wenn man nicht ganz so gründlich mechanisch entrosten möchte wie hier gezeigt, dann kann bei solchen „Mischflächen“ (rostige und rostfreie Stellen) gut mit Oxyblock gearbeitet werden.
Fallbeispiel 4

Falzrost:
Was hier eventuell noch als gut angerostete Blechoberfläche durchgehen könnte hat es allerdings deutlich in sich.
An dieser Stelle treffen zwei (abgewinkelte) Bleche aufeinander und sind im Falz miteinander Punktverschweißt. Die Rostursache sitzt tief im Falz, in der Blechfuge, und ist nach außen in den sichtbaren Bereich gewandert. Bloßes Entfernen des äußeren Rosts reicht nicht aus, hier muss auch in der Tiefe der Fuge der Rost gründlich beseitigt werden, um langfristig Erfolg zu haben. Rost zwischen Blechen entfernt man am besten per Sandstrahlen oder mit der schwingenden Messerklinge auf einem Multitool. Danach sollte man einen Roststopper wie Owatrol Öl oder Oxyblock zwischen die Bleche laufen lassen um den Restrost zu sättigen.
Fazit
Wie die Beispiele auf diesen Seiten zeigen ist es sehr wichtig den Rostgrad, also die Stärke des Rosts zu kennen. Das einfache Auftragen eines Rostumwandlers und sei er noch so gut wird nicht immer zwangsläufig zum Erfolg führen.
Gerade an lackierten Karosserien, bzw. Unterböden mit Steinschlagschutz sitzt der Rost oft sehr tief im Blech. Vor allem wenn Rost an der gleichen Stelle schon einmal erfolglos behandelt wurde, gibt es nicht selten starken Porenrost der stellenweise bereits knapp vor der Durchrostung sein kann.
Nur eine gründliche mechanische Vorentrostung, bzw. Untersuchung der Roststärke kann das Wirken von Rostumwandlern und Roststoppern garantieren.